Glaubensmut säen. Versöhnung ernten.

 

Erste Seligsprechung in Münster war ein festliches Erlebnis

Kardinal Meisner, Bischof Genn und Erzbischof Duka werden vom Bischofshaus abgeholt und zum Dom geleitet.

Mit einem festlichen Pontifikalamt im Hohen Dom St. Paulus zu Münster ist der aus der Grafschaft Glatz im heutigen Polen stammende Priester und Märtyrer Kaplan Gerhard Hirschfelder selig gesprochen worden. Insgesamt rund 4.000 Menschen verfolgten die Zeremonie in der Bistumskathedrale sowie in der Überwasserkirche und in der Lambertikirche, wohin die Feier per Video übertragen worden war. Der Erzbischof von Köln, Metropolit Joachim Kardinal Meisner, verlas im Auftrag von Papst Benedikt XVI. die Apostolische Bulle, in der festgestellt wurde: „Er war ein Mann des Friedens und der Versöhnung“. Während der anschließenden Amen-Rufe wurde das Portraitbild des neuen Seligen außen am Salvatorgiebel des St.-Paulus-Domes und innen an einer Säule enthüllt. Als weiteres Zeichen wurde die am Samstagabend bei der Vigilfeier in den Dom getragene Hirschfelder-Kerze entzündet. 

Viele Glatzer sind in den St.-Paulus-Dom gekommen.

Meisner hob in seiner Predigt hervor, Hirschfelder sei ein Mensch gewesen, der gegen die Trends seiner Zeit angetreten sei und damit Tapferkeit und Zivilcourage bewiesen habe. „Die Liebe Christi drängte ihn über alle Gefahren und Widerstände hinweg“, stellte der Metropolit heraus, „mit seinem Gott sprang er gleichsam über Mauern von Angst, Vorurteilen, Feigheiten und Leisetretereien“. Hirschfelders Christuserfahrung und seine tiefe Liebe und Verbundenheit zu jungen Menschen hätten ihn alle Vorsicht und Angst vergessen lassen, als er öffentlich gegen die Nazis predigte: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher!“, zitierte der Kardinal den nunmehr zu Ehren der Altäre erhobenen Kaplan, der den Gläubigen heute ein Vorbild sein könne: „Wir zählen als Christen in der Werteskala Gottes. 

Großdechant Jung erinnert an den tiefen Glauben von Kaplan Hirschfelder

Wir sind nicht die letzten der Mohikaner! Für Minderwertigkeitskomplexe sollten wir nicht empfänglich sein!“ Wenn die Kirche eine Seligsprechung vornehme, bezeuge sie vor Gott, dass Heiligkeit möglich sei. Zur Gabenbereitung wurden Gegenstände aus dem Leben Hirschfelders nach vorne gebracht. Erstes Symbol war eine Flöte, die der Selige selbst gespielt hatte, als Zeichen seiner Fröhlichkeit, Musikalität und Ausstrahlung. Als zweites kam die Originalschrift der Kreuzweggebete, die der Kaplan im Gefängnis geschrieben hatte, Zeichen seines unerschütterlichen Gottvertrauens und seiner Solidarität mit den Leidenden. Zum dritten Symbol schließlich wurde ein Kelch, mit dem Hirschfelder seinerzeit zelebrierte, verbunden mit der Aussage, dass er sein priesterliches Leben für das Recht Gottes und für die Würde der Menschen hingegeben habe. Als Konzelebranten feierten den Gottesdienst mit neben Münsters Bischof Dr. Felix Genn der Prager Erzbischof Domik Duka, der frühere päpstliche Nuntius Erzbischof em. Dr. Erwin Josef Ender, der Bischof von Swidnica/Schweidnitz Prof. Dr. Ignacy Dec, der Bischof von Dresden Dr. Joachim Reinelt und der Visitator für Priester und Gläubige aus der Grafschaft Glatz, Großdechant Franz Jung. 

Vor dem Altar Andenken an den Seligen: Flöte, Kelch, Kreuzwegtexte
Kardinal Meisner mit den Konzelebranten am Altar

Der Prager Erzbischof Duka bezeichnete Hirschfelders Haltung als Heldentum, das „zur Gestaltung neuer Beziehungen zwischen dem tschechischen und dem deutschen Volk beigetragen“ habe. Der polnische Bischof Dec betonte, die Seligsprechungsfeier trage dazu bei, dass Kaplan Hirschfelder zum gemeinsamen tschechisch-polnisch-deutschen Fürsprecher wird: „Der Selige wird eine Brücke zwischen Deutschland, Tschechien und Polen sein“, sagte Dec und erntete großen Beifall. Großdechant Jung sprach die Dankesworte. Er kündigte an, dass Glatzer Christen mit zwei Bussen als Wallfahrer nach Polen reisen würden, um am 10. Oktober einen Völker verbindenden Dankgottesdienst mit Polen, Tschechen und Deutschen als Nachfeier der Seligsprechung zu feiern. Dem Bistum Münster dankte er nicht nur für die logistische und finanzielle Hilfe der „unvergessenen Feier“. Jung gab der Diözese auch die Anregung, sich um eine Seligsprechung des aus Hiltrup stammenden Priesters Bernhard Poether zu bemühen, der vier Tage nach Gerhard Hirschfelder ebenfalls in Dachau als Märtyrer ums Leben gekommen sei. Den musikalischen Rahmen zum Pontifikalamt steuerten bei der Grafschaft Glatzer Chor unter Leitung von Georg Jaschke, das Grafschaft Glatzer Orchester unter Leitung von Mona Veit, die Schola Ludgeriana unter Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf und Domorganist Thomas Schmitz an der Domorgel. Mit einem Fest der Begegnung auf dem Domplatz klang die Seligsprechungsfeier am Sonntagabend aus. 

Ausstrahlung: Auch an der derzeit eingerüsteten Außenfassade des Doms wurde ein großes Bild des Seligen enthüllt.

Termine und Veranstaltungen

Sonntag, 21. Juli 2013

12:00 Uhr Festgottesdienst zum Gedenken an den seligen Gerhard Hirschfelder in der Pfarrkirche in Tscherbeney (Czermna) mit Bischof Dr. Ignaci Dec , Schweidnitz (Świdnica), Großdechant Prälat Franz Jung, Münster, Prälat Romuald Brudnowski, Tscherbeney, und einem Geistlichen aus Tschechien; anschließend Begegnungen im Rahmen des „Tages der deutschen Minderheiten“

Freitag, 2. August 2013

Liturgischer Gedenktag des Seligen
17:00 Uhr Hl. Messe in der St.-Clemens-Kirche zu Münster

30. bis 31. August 2013

67. Jahreswallfahrt der Grafschaft Glatzer nach Telgte unter dem Leitgedanken: „Als Glaubende gehen wir unseren Weg“   

17. bis 24. September 2013

Wallfahrt mit dem Großdechanten Prälat Franz Jung zu den Gnadenstätten im Glatzer Land und zu Orten, die mit dem Seligen Gerhard Hirschfelder in Zusammenhang stehen, unter dem Leitgedanken: „Herr, du trägst mich auf meinem Weg“

Samstag, 21. September 2013

12:00 Uhr Festgottesdienst zum Gedenken an den seligen Kaplan Gerhard Hirschfelder in der Pfarrkirche in Tscherbeney (Czermna) mit Bischof Dr. Ignaci Dec ,Schweidnitz (Świdnica), Generalvikar Josef Socha, Königgrätz (Hradec Králové), Großdechant Prälat Franz Jung, Münster, und Prälat Romuald Brudnowski, Tscherbeney

Sonntag, 22. September 2013

Festlicher Gottesdienst in der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ in Zuckmantel (Tschechien) im Rahmen der Drei-Nationen-Wallfahrt mit Deutschen, Polen und Tschechen